Sonntag, 28. Oktober 2012

Drakensberg

Vergangenes Wochenende  gönnten wir uns einen Ausflug in die Drakensberge, einem Gebirge etwa 300 km westlich von Durban an der Grenze zu Lesotho. Nach einem aufregenden Auf und Ab bei der Organisation des Ausflugs hatten wir kurzfristig doch noch einen Fahrer gefunden und konnten am Freitagnachmittag aufbrechen. Am Samstag haben wir uns zunächst alleine auf den Weg gemacht und sind im Royal Natal National Park wandern gegangen. Das Wetter war nicht optimal, aber akzeptabel – wir wussten ja nicht was uns noch erwarten würde. Leider war es ziemlich bewölkt und etwas neblig, sodass man das Ausmaß der Berge und Felswände keineswegs einschätzen konnte. Dennoch hatte dieses Wetter seinen ganz eigenen Charme.



Thabani tanzte nur so von Stein zu Stein über den Fluss hinweg; Lena und ich waren ein wenig vorsichtiger beim Überqueren

wir genießen unsere Lunch-Pakete inmitten des Canyon

Das eigentliche Highlight war für den Sonntag geplant: eine ganztätige, 50€-teure, geführte Wanderung zum Gipfel des ‚Amphitheatre‘ (einer gewaltigen, über 3000m hohen Felswand) sowie zum längsten Wasserfall Afrikas. Die Fahrt zum Ausgangspunkt der Wanderung in der benachbarten Provinz Free State dauerte 2,5 Stunden. Umso näher wir kamen, desto nebliger und stürmischer wurde es, sodass wir bei unmöglichen Wetterbedingungen auf 2000m ankamen und die Wanderung nicht stattfinden konnte. Enttäuscht fuhren wir also wieder zurück. Um nach 5 Stunden Autofahrt diesen zweiten und letzten Tag doch noch zu nutzen, nahmen wir das Angebot des Guides an, uns im Royal Natal National Park am Fuße des Amphitheatre noch ein wenig herumzuführen. Bei wunderschönem Sonnenschein starteten wir also unsere kleine Privatführung mit dem atemberaubenden Panorama des Amphitheatre, seinen Wasserfällen und der herrlichen Vegetation, die nach dem ganzen Regen in kräftigen Farben erstrahlte. Kaum eine halbe Stunde unterwegs hörten wir den ersten, leisen Donner hinter der vor uns liegenden Felswand. Noch hatten wir Hoffnung, es würde vorbeiziehen. Doch das Bergwetter musste uns unbedingt beweisen, wie unberechenbar es ist. Bei Platzregen, Hagel und Gewitter fühlten wir uns plötzlich nicht mehr so sicher auf dem Berg, doch unser Guide war hart im Nehmen und wir mussten mit. Die gesamte zweite Hälfte des Weges haben wir rennend zurückgelegt, um uns warm zu halten, denn trotz Regenjacke gab es keinen Zentimeter des Körpers, der trocken geblieben wäre. Als das Gewitter sich ein wenig verzogen hatte, fühlten wir uns wieder sicherer und es hat sogar ziemlich Spaß gemacht, pitschnass durch die Gegend zu rennen. 





Am Montagmorgen war keine Wolke am Himmel. Traurig, dass wir so ein Pech mit dem Wetter hatten, konnten wir wenigstens noch draußen frühstücken und die Aussicht auf die Berge genießen, bevor es anschließend wieder zurück nach Durban ging.


links: Frühstückstisch, rechts: nasse Klamotten vom Vortag

Freitag, 19. Oktober 2012

Moses Mabhida Stadion


Am vergangenen Samstag haben wir nun schon zum zweiten Mal die Möglichkeit genutzt, im World Cup-Stadion von Durban ein Fußballspiel anzuschauen. Es spielte das lokale Team AmaZulu gegen Ajax Cape Town – erste südafrikanische Liga. Der gewöhnliche Eintrittspreis beträgt 40 Rand, aber durch das Women-Special bin ich sogar für 10 Rand, also für etwas weniger als einen Euro, reingekommen. Im Vergleich zu anderen südafrikanischen Stadien ist das Moses-Mabhida-Stadion sehr schön. Allerdings wird es fast nie wirklich voll und man fühlt sich ein wenig allein, da es so riesig ist. Die Leute hier haben sehr unterschiedliche Meinungen über die Auswirkungen  der Weltmeisterschaft auf Südafrika. Einige sagen, das Land hat sich hinsichtlich Infrastruktur sehr weiterentwickelt, wovon die Bevölkerung weiterhin profitiert. Die überwiegende Mehrheit meint allerdings, dass die Wartungskosten für Stadien und hoch-modere Transportmöglichkeiten (wie der GauTrain in Joburg) derartig hoch sind, dass sie die positiven Effekte wettmachen. Immerhin, in einem sind sich dennoch alle einig: Die WM hat das Land zusammengeschweißt – es gab kein Schwarz oder Weiß, alle haben sich als Südafrikaner gefühlt und gemeinsam gefeiert und mitgefiebert.
 

Um neben den geringen Einnahmen aus den Ligaspielen noch einen Nutzen aus dem Stadion zu ziehen, kann man sich für 60 Euro aus luftiger Höhe in die Tiefe des Stadions stürzen. Meine Nachbarin Audrey hat den Bungee Jump sogar gewagt. Lena, Thabani und ich haben uns für die sanftere Variante entschieden: das Sky-Car, welches einfach nur gemütlich hoch und wieder runter fährt und einen für eine Weile die wunderbare Aussicht über die Stadt genießen lässt.

http://www.mmstadium.com




Freitag, 5. Oktober 2012

Joburg - Polokwane - Pretoria

Vergangene Woche gab es hier eine kurze Semesterpause, welche uns gerade recht kam, um endlich ein bisschen das Land zu erkunden. Meine Kommilitonin Lena hat vor 5 Jahren schon mal einen Freiwilligendienst im Norden Südafrikas gemacht, sodass sie dort noch ihre Gastfamilie und viele Freunde hat, welche wir nun besucht haben. Um die Reisezeit zu verkürzen, sind wir von Durban nach Johannesburg geflogen. Dort haben wir die erste Nacht im Hostel verbracht, da die Übernachtung im Dorm mit gratis Flughafenabholung billiger war, als ein Taxi vom Flughafen in die Stadt. Nach einem eintägigen Aufenthalt und einer kleinen Stadtbesichtigung mit Lenas Freundin Makoma sind wir weiter Richtung Norden nach Polokwane gefahren. Dort wurden wir ganz liebenswürdig von Lenas Freunden und Bekannten empfangen. Schlafen konnten wir im Township Seshego bei ihrer ehemaligen Gastomi, genannt Koko (=Oma). Sie hatte Lena früher schon einen Namen auf ihrer Sprache Pedi gegeben und so nannte sie auch mich ab dem ersten Moment „Mulatelo“ (= die Nachfolgerin). Sie war sehr gastfreundlich und kochte typische und leckere Gerichte für uns (Pap, Millie Rice, Mincemeat, Porridge, etc.). Was wir jedoch nicht zu Gesicht bekommen haben sind Mopane-Würmer, obwohl ganz Südafrika das Vorurteil hat, in der Limpopo-Provinz würden sich alle davon ernähren. Nachdem ich diese Würmer gegoogelt hatte, war ich allerdings froh, sie weder gesehen noch gegessen zu haben. Aber zurück zu Koko: sie hat außerdem schon seit Jahren die Angewohnheit, früh um 5 Uhr das Küchenradio so laut aufzudrehen, dass man es im ganzen Haus hört. Trotz dieser kleinen Macken und ihrer ganz eigenen Regeln im Haushalt, habe ich sie schnell lieb gewonnen und war sehr gerne bei ihr zu Gast. Sie hat außerdem einen Mango- und einen Avocadobaum im Garten, von denen leider nur letzterer derzeit Früchte trägt.

Heritage Day bzw. "National Braai Day" - ein Feiertag an dem in ganz Südafrika gegrillt wird.

Lena mit ihrer Freundin Mologadi im Township Seshego.

Am Dienstag besuchten wir die Crèche, in der Lena damals gearbeitet hat und welche sowohl Kinderkrippe, -garten als auch Vorschule ist. Dort sind derzeit 90 Kinder angemeldet, von denen 70 regelmäßig kommen. Die Räumlichkeiten sind leider sehr begrenzt – zwei Räume etwa so groß wie unser Wohnzimmer in Löbau, plus Waschraum und neuerdings ein kleiner Spielplatz im Vorgarten. Die Erzieherinnen haben alle Hände voll zu tun: Die Jüngsten müssen noch gewindelt werden, während die Ältesten vormittags ein wenig Englischunterricht bekommen. Bei so vielen Kindern können sich die Erzieher oft nur durch Schläge Autorität verschaffen, diese werden leider oft auch in unnötigem Ausmaß eingesetzt.  Die Kinder wirkten dennoch putzmunter und waren an dem Tag als wir da waren sogar außergewöhnlich brav. Derzeit arbeitet wieder eine deutsche Freiwillige da, der wir den Stress regelrecht ansehen konnten und die sehr froh war, dass sie zur Abwechslung mit uns einen Kaffee trinken gehen konnte.

Am darauffolgenden Tag haben wir einen kleinen Ausflug ins Polokwane Game Reserve unternommen. Ein deutscher Pfarrer, welcher früher in der Region gearbeitet hat und immer noch jährlich für 3 Monate nach SA kommt, hat uns mitgenommen und mit uns den Park im Auto erkundet. Ausgestattet mit Ferngläsern und Fotoapparaten haben wir uns auf die Suche nach Nashörnern, Giraffen, Zebras, Straußen, Warzenschweinen und vielen verschiedenen Antilopenarten gemacht und sind tatsächlich fündig geworden.





Das Besondere an dem Park war, dass man das Auto verlassen darf und zu Fuß näher an die Tiere herangehen kann. 



Highlight war ein kleines Giraffenjunges, das bei seiner Mutter gesäugt hat. 

Donnerstagnacht und Freitag überspringe ich mal in meinem Bericht, denn da hatte ich mir eine Art Magen-Darm-Virus eingefangen und war sozusagen außer Gefecht gesetzt. Aus diesem Grund mussten wir auch unsere Weiterreise nach Pretoria um einen Tag verschieben. Dennoch hatten wir den ganzen Sonntag um uns diese wunderschöne Stadt anzuschauen. Lenas Freundin Zepo hat uns bei sich aufgenommen und uns den Campus sowie die Stadt gezeigt. 


Es überraschte uns, dass es in den Wohnheimen der University of Pretoria immer noch bedarfs- und realitätsferne Quoten gibt: 60% der Wohnheimplätze werden weißen Studenten zugesprochen, während die weiße Bevölkerung in SA nur (noch) 10% ausmacht. Außerdem findet durch das Angebot der Kurse in Afrikaans und Englisch eine weitere Teilung statt. Kurse in Afrikaans werden größtenteils von Weißen besucht, englische Kurse von Schwarzen.

Pretoria wirkt sehr europäisch, sowohl architektonisch als auch von der Atmosphäre her. Die Stadt macht einen sehr geregelten und gepflegten Eindruck, fast ein bisschen steif im Vergleich zu anderen südafrikanischen Städten.
Ein Beispiel: In vielen Städten Südafrikas wurden in den letzten Jahren Straßen, deren Namen noch von Kolonialzeiten stammten, umbenannt - oft nach Persönlichkeiten die in Verbindung zu südafrikanischer Geschichte und Kultur stehen. In Durban findet man deshalb ein wildes Durcheinander von neuen und alten Straßenschildern und nicht einmal die Taxifahrer finden sich zurecht. In Pretoria dagegen sieht das ganze so aus - vorbildlich:


Des Weiteren fährt seit 2010 zwischen Joburg und Pretoria der sogenannte GauTrain, ein höchstmoderner Schnellzug. Wir staunten nicht schlecht, als wir von Zepo aus in weniger als einer Stunde in Joburg am Flughafen waren. Es war recht ungewohnt hier mit dem Zug zu fahren, da die Leute aus Sicherheitsgründen immer vom Zugfahren abraten. Dementsprechend gibt es an den Haltestellen des GauTrain auch Unmengen an Sicherheitspersonal, was wohl auch wiederum zu den erhöhten Preisen führt, sodass sich nicht jeder den Spaß leisten kann.
Vom Flughafen Joburg ging es am Montag also wieder zurück ins wunderschöne Durban, wo bei sommerlichen Temperaturen und weißen Stränden erstrecht Urlaubsgefühle bei uns aufkamen. Am darauffolgenden Tag ging allerdings die Uni wieder los und wir wurden ganz schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: In den nächsten 6 Wochen stehen unzählige Hausarbeiten, Präsentationen etc. an, die uns nicht viel Zeit für anderweitige Aktivitäten lassen werden…

Samstag, 22. September 2012

Kulinarisches

In den letzten Wochen waren wir ab und zu auf den großen Märkten im Zentrum der Stadt, um möglichst preisgünstig Obst und Gemüse einzukaufen. Unser Dozent Richard und später auch unser Kumpel Bonga waren so lieb, uns dort ein bisschen rumzuführen, da es beim ersten Mal gar nicht so leicht ist, sich zurechtzufinden. Hier seht ihr Lena und mich, vom Muthi-Market (Zulu: Medizin-Markt) kommend, auf dem Weg zum Early Morning Market, auf dem es Obst und Gemüse gibt.


Der Muthi-Market bietet alles an Pflanzen (und Tieren), was man sich vorstellen kann. Diese werden von den ‚Sangoma‘, den traditionellen Medizinmännern/-frauen, verwendet. Dort gibt es also viele Heilkräuter etc., aber wir haben auch zwischendrin einen Krokodilfuß, ein paar aufgefetzte Vögelchen sowie einen gehäuteten Affen entdeckt.


Ein kleiner Spaziergang in der Umgebung des Marktes ließ uns staunen: Auf engstem Raum findet man dort eine Moschee, eine Kathedrale, einen jüdischen, einen christlichen sowie einen muslimischen Friedhof, das wilde Markttreiben und den hektischen Stadtverkehr:


 
Unsere Ausflüge auf die Märkte haben wir in letzter Zeit gerne mit einem anschließenden Leckerbissen in unserem indischen Lieblingsrestaurant „Little Gujarat“ verbunden. Da gibt es eine „Tapas-Platte“ mit verschiedensten Curries:


Leider auch einmal geschlossen als wir heißhungrig hinkamen:



Da können unsere selbst zubereiteten Leckereien nicht ganz mithalten:

 Lena und ich versuchen uns an Schnitzel und Kartoffelsalat mit südafikanischen Zutaten.

Der Linseneintopf, zu dem wir unsere Nachbarinnnen Octavia und Shannel eingeladen haben, ist übrigens sehr gut gelungen.

Sonntag, 16. September 2012

Trevor Noah

Unser Freund Thabani hat uns heute abend zu einem beliebten südafrikanischen Komiker mitgenommen. Sein Name ist Trevor Noah und er ist zurzeit mit seinem Programm "That's racist" auf Tour. Da es sehr schnell ausverkauft war, hatten wir Glück noch Karten zu bekommen, wenn auch nur in der vorletzten Reihe. Dennoch ist es immer wieder schön im Ausland Comedy-Shows anzusehen, da man so viel über das Land und die Kultur erfährt und vor allem über den Humor der Leute.
Hier ein kleiner Ausschnitt aus seiner letzten Tour:


Montag, 10. September 2012

Trip to Wartburg

Nach so vielen Hausarbeiten die letzten (und die kommenden) Wochen war es mal wieder an der Zeit für einen Ausflug. Einer unserer Dozenten hatte uns wissen lassen, dass es in der Nähe von Durban ein paar deutsche Gemeinschaften bzw. Dörfer gibt. Deren Vorfahren sind Mitte des 19. Jahrhunderts als Missionare hergekommen und haben sich hier niedergelassen. Da sie selbstversorgend und etwas abgeschieden lebten, haben sie die deutsche Sprache und einige kulturelle Merkmale beibehalten. Das machte uns neugierig und so mieteten wir uns am Samstag ein Auto und fuhren in ein Dorf namens Wartburg. Dort kehrten wir zunächst ins Restaurant „Wartburger Hof“ ein und ließen uns Schnitzel, Käsespätzle und Apfelstrudel schmecken. Danach machten wir uns auf die Suche nach den „Deutschen“, da wir gerne hören wollten, wie sie sprechen. Im Supermarkt sprachen wir einige Leute an, aber hatten kein Glück. Eine ältere Dame war sogar noch so nett, für uns herumzutelefonieren, um irgendwie einen Deutschen ranzuorganisieren :D Allerdings ohne Erfolg. Wir gaben es also auf und gingen zurück zum Auto. Aber wie es der Zufall so wollte sahen wir vor der Lutherischen Kirche einen Jungen stehen, winkten ihn zu uns heran und siehe da, sein Vater stammt von Deutschen ab. Er spricht das sogenannte „Springbockdeutsch“, eine Mischung aus Afrikaans, Englisch und Deutsch. Wir haben ihn aber super verstanden, da er auf eine deutsche Schule gegangen ist, ein paar Mal in Deutschland war und sogar vorhat in Dresden zu studieren. Er ist Organist und hat uns spontan etwas auf der Orgel vorgespielt. Anschließend durften wir mit zu ihm nachhause fahren und die etwa 300 Papageien anschauen, die seine Mutter züchtet. Am Ende hatten wir nicht mehr genug Zeit noch nach Pietermaritzburg zu fahren, aber das war nur halb so schlimm, denn Wartburg war es wirklich wert, sich da ein bisschen genauer umzuschauen. Das Auto brachten wir pünktlich 6 Minuten vor Ablauf der 24 Stunden wieder zurück zur Vermietung :) Das Fahren auf der linken Seite hat soweit eigentlich ganz gut geklappt, aber das war vor allem der Teamarbeit von Lena und mir zu verdanken, denn 4 Augen sehen mehr als 2 und so erleichtert es wirklich die Fahrt wenn man zu zweit aufpasst.

 auf dem Hinweg sind wir durch das "Valley of a 1000 hills" gefahren

 das Restaurant & Hotel "Wartburger Hof"

 ein Pfau versuchte im Garten die Weibchen zu beeindrucken, hat nur nicht geklappt - aber uns hat er allemal beeindruckt

Thabani würzt sein Schnitzel mit Sweet-Chili-Sauce nach

 unser privates, kleines Orgelkonzert



zurück in Durban 
- kein Problem mehr für uns Down Town zu fahren :P

Samstag, 8. September 2012

NGO Asiye eTafuleni

Da es mehrere Nachfragen gab, was es mit den Pappkarton-Sammlern auf sich hat, werde ich nochmal genauer erklären, was die NGO „Asiye eTafuleni“ genau macht und was wir bei unserem Field Trip am 17. August erfahren haben. Das Projekt, welches wir uns genauer angeschaut haben, nennt sich das „Innercity Cardboard Recycling Project“. Mit diesem Projekt beabsichtigt die NGO die Eingliederung von informellen Arbeitern in die formelle, städtische Wirtschaft sowie die Verbesserung ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen. Das Sammeln und Recyceln von Pappe ist schon seit Jahrzehnten eine Beschäftigung, mit der sich die Armen der Stadt ein wenig Geld verdienen, indem sie es zu einem Sammelpunkt bringen, an dem sie von den Recyclingunternehmen pro Kilo ein paar Cent bekommen. Derzeit bekommen sie etwa 0,60 Rand, also 0,06 Euro pro Kilo. Oft hängt ihr gesamter Lebensunterhalt davon ab. Deshalb ist es wichtig, dass sie gegenüber der Stadt und den Recyclingunternehmen eine starke Verhandlungsposition haben. Die NGO hilft ihnen deshalb u.a. sich besser zu organisieren. Ihr ist es zu verdanken, dass sich die Einstellung der Stadt gegenüber den Recyclern in den letzten Jahren deutlich gebessert hat. Zur Weltmeisterschaft 2010 versuchte die Stadt noch, die Recycler mit Hilfe der Polizei außerhalb der Stadt abzusetzen und ihnen jegliche Besitztümer wegzunehmen, damit sie nicht zurückkehren konnten. Heutzutage verhandelt die Stadt mit Asiye eTafuleni darüber, wie man die Cardboard-Recycler aktiv in die Stadtplanung mit einbeziehen kann; ihnen beispielsweise Sammelpunkte für die Pappe einrichten kann um gleichzeitig das Stadtbild zu verschönern.   
Nun werdet ihr fragen, was sind überhaupt “informelle Arbeiter”? Es ist gar nicht so leicht eine klare Grenze zwischen informellem und formellem Sektor zu ziehen. Der informelle Sektor wird oft als illegal und hinderlich für den formellen Sektor angesehen. Einerseits ist diese Art von bezahlter, inoffizieller Arbeit zwar – hinsichtlich Steuern und Sozialabgaben – nicht staatlich registriert, andererseits ist daran sonst auch nichts illegal und sie stellt einen wichtigen Beitrag zur lokalen Wirtschaft dar. Die Cardboard-Recycler führen eine wertvolle Arbeit für Durbans Einwohner, die Stadtregierung sowie auch für die Natur aus, denn sie verhindert, dass unnötig viel Pappe auf den Müllkippen der Stadt landet.

Noch mehr Infos gibt's hier:
http://www.aet.org.za/about-asiye-etafuleni/what-we-do/project-case-studies/inner-city-cardboard-recycling-project/

Mittwoch, 5. September 2012

Campus Life

Nach über einer Woche bin ich euch mal wieder einen Eintrag schuldig. In dieser Zeit hatten wir 3 Hausarbeiten abzugeben, sodass ich auch nicht wirklich viel Spannendes zu berichten habe. Ich möchte euch aber noch ein paar mehr Eindrücke von Campus geben, der nun nach dem Streik wieder friedlich ist. :) Die University of KwaZulu-Natal besteht insgesamt aus 5 Campus, davon sind 4 hier in Durban und Umgebung und einer in Pietermaritzburg, etwa eine halbe Stunde von hier. Unser, der Howard-College-Campus, ist der größte und da er am höchsten Punkt der Stadt liegt haben wir eine wunderschöne Aussicht, die uns jeden Tag aufs Neue staunen lässt. Bis zum Zusammenschluss 2004 war unser Campus Teil der University of Natal, an der zu Apartheid-Zeiten nur Weiße studieren durften. Heute ist es wohl der Campus mit der meisten Diversität und Interaktion zwischen Leuten unterschiedlicher Hautfarben. Hier seht ihr uns grad beim Durchwälzen des umfangreichen Reading-Materials für die Kurse; im Hintergrund die Law-Faculty:


Unser Semester hier ist in 2 ‚Terms‘ unterteilt, in denen wir jeweils 2 Kurse belegen. Im ersten Term machen wir ‚Research Methods‘ und ‚Development Management‘, welche ich persönlich beide sehr interessant finde. In zwei Wochen wird auch der erste Term schon zu Ende sein und wir haben eine Woche frei. Bis dahin müssen wir allerdings auch noch 2 Hausarbeiten schreiben. Aber mit dem Blick aus der Bib lässt es sich aushalten: 



Mittags gehen wir oft nach dem Unterricht zum Imbissstand einer Inderin, die super leckeres, vegetarisches Essen zubereitet. Hier sind wir grad am Schlemmen:


Im Kurs ‚Development Management‘ hatten wir sogar 2 Gastdozenten und haben einen Field Trip, also eine Exkursion, unternommen. Diese ging zu einer lokalen Nichtregierungsorganisation, welche informellen Pappkarton-Sammlern hilft, sich besser zu organisieren, um ihre Interessen gegenüber der Stadt wirksamer durchsetzen zu können, und von den Einwohnern Durbans besser akzeptiert zu werden. Der Name der NGO ist „Asiye Etafuleni“, was auf Zulu „lasst uns an den Tisch kommen“ bzw. „lasst uns verhandeln“ bedeutet. Hier seht ihr, wie uns eine Mitarbeiterin der NGO ihre Arbeit näher erklärt. Im Vordergrund ein Trolley, der zum Einsammeln der Pappe dient:


Hier der Link zur Homepage der NGO: http://www.aet.org.za/

Freitagnachmittags haben wir uns dann in den letzten Wochen immer eine Auszeit am Strand gegönnt und mit ein paar Freunden Beachvolleyball gespielt:


Sonntag, 26. August 2012

Streik auf dem Campus

Seit Anfang der Woche läuft hier auf dem Howard College Campus ein Streik. Grund ist die mangelnde Sicherheit in Off-Campus Wohnheimen in der Stadt. Da soll es Diebstähle und Vergewaltigungen gegeben haben. (Aber wie gesagt, das ist nicht hier auf dem Campus – bei uns ist alles sicher.) Dennoch ist es natürlich Aufgabe der Uni, die Sicherheit in allen Wohnheimen zu gewährleisten. Da bei den Verhandlungen mit dem Management aber in den ersten Tagen nichts rauskam, verlängerten die Studenten den Streik bis zum Ende der Woche. Die Uni hat dann die Lehrveranstaltungen für Freitag aus Sicherheitsgründen abgesagt, um so den Streik übers Wochenende abzuschwächen. Uns erschien die ganze Sache bisher eigentlich relativ friedlich, aber die Dozenten und Verkäufer auf dem Campus scheinen in den vergangenen Semestern schlechte Erfahrungen gemacht zu haben und verriegeln deshalb ihre Türen. Außerdem hat es einen Brief der Uni an die Polizei gegeben, welcher dazu aufrief, Gebrauch aller notwendigen Mittel gegen die Protestierenden zu machen. Das braucht man der Polizei von Durban nicht zweimal sagen. Prompt setzten sie Tränengas und Schockgranaten gegen die Studenten ein. 5 Studenten wurden auch festgenommen, aber einen Tag später wieder freigelassen. Leider haben wir noch nicht erfahren, ob bei den letzten Verhandlungen nun etwas rausgekommen ist oder nicht. 


Freitag, 24. August 2012

St Lucia

Ich denke, es ist Zeit ein paar Fotos vom vergangenen Wochenende hochzuladen. Wir haben uns einen kleinen Ausflug nach St Lucia gegönnt, um einmal aus der Stadt rauszukommen und ein bisschen Natur zu sehen. St Lucia ist ein kleiner Touristenort etwa 2 bis 3 Stunden nördlich von Durban. Leider hat unser Fahrer namens „Brilliant“ am Samstagmorgen 2,5 Stunden auf sich warten lassen, sodass wir an dem Tag nicht mehr viel unternehmen konnten. Die anderen Tage haben wir dafür umso intensiver genutzt und die Umgebung per Boot, Fahrrad und Jeep erkundet. Dabei sind wir auf Krokodile, Nilpferde, Zebras, Warzenschweine, Chamäleons,  Buschbabys, Eisvögel etc. gestoßen. Sehr genossen haben wir vor allem die Fahrradtour, da wir so alles auf eigene Faust entdecken konnten. Eine Herde Zebras hat uns tatsächlich bis auf etwa 10 Meter an sich herangelassen. Vor einer Herde Gnus hatten wir dann allerdings doch Respekt und sind lieber umgekehrt, als diese auf einmal aufstanden und in unsere Richtung stierten. Am Montag unternahmen wir dann noch einen Ausflug in ein traditionelles Dorf der lokalen Bevölkerung, der Zulus. Auch wenn uns vor Ort alles sehr touristisch und etwas inszeniert vorkam, haben wir doch Vieles über die Zulu-Kultur, ihre Bräuche und Trachten gelernt, und vor allem ihre traditionellen Tänze genossen. 



 hautnah dran

 
 fragt sich, was gefährlicher ist: Krokodile ...

 ... oder Nilpferde, die nämlich als die gefährlichste Tiere Südafrikas gelten.

 kleine, private Nachtfahrt mit dem Tourguide von Kim und Claudia


dieses Chamäleon ist noch klein, gerade 2 Jahre alt - wir konnten auch beobachten, wie es nach einer Weile seine Farbe verändert hat

mitten im Sandsturm am wunderschönen, endlosen Strand
 
 Zulukämpfe und anschließend -tänze live für uns

Thabani in der Zulutracht